
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die Feria als politische Bühne
Ein Dorf im Rausch der Selbstbeweihräucherung
Die Feria in Árchez ist ein Fest der Superlative. Das zumindest wollen uns die Lokalpolitiker weismachen. Jorge Martín, Präsident der Mancomunidad de Municipios de la Costa del Sol Axarquía, spricht von „einem Paradies im Inneren der Axarquía“. Die Bürgermeisterin Mari Carmen Moreno verkündet stolz, dass die Einwohnerzahl um 80 Menschen gestiegen sei – ein Plus von satten 20 Prozent für ein Dorf mit 400 Seelen. Das klingt nach Idylle, nach gelebter Gemeinschaft, nach einem Ort, den man nicht verlassen mag. Doch wer genauer hinhört, erkennt die pathetische Inszenierung einer Politik, die sich selbst die Krone aufsetzt.
Denn das Programm, das die Verantwortlichen dieser Tage präsentieren, ist ein buntes Konglomerat aus Piñatas, Paella, Orchester und einer „Gran Fiesta de la Espuma“. Nichts davon ist anstößig, alles ist harmlos und folkloristisch. Die Töne aus dem Rathaus sind jedoch alles andere als neutral: Sie sind ein einziger Werbefeldzug für die eigene Arbeit. Wenn die Bürgermeisterin sagt: „Wir versuchen immer, dass es unseren Nachbarn gut geht, aber auch die Besucher genießen sollen“, klingt das nach dem perfekten Dorfleben. Doch bleibt die Frage: Wer bezahlt das alles? Und wie nachhaltig ist ein Fest, das auf den Lorbeeren der Vergangenheit ruht?
Zwischen Tradition und Abhängigkeit
Es ist bezeichnend, dass die Feria mit einem „Día del Niño“ beginnt, an dem Kinder aus Nachbargemeinden kostenlos Attraktionen nutzen. Das ist sozial, das ist nett. Doch es ist auch ein Lockmittel für Touristen, die in den kommenden Jahren wiederkommen sollen. Die Politiker setzen auf Folklore, auf die „Schönheit des Ortes“ und die „gute Laune“. Die Kehrseite: Árchez ist das flächenmäßig kleinste Dorf der Provinz Málaga und hat keine nennenswerten Industrie- oder Arbeitsplätze. Die 80 neuen Einwohner – sind sie wirklich ein Zeichen für Vitalität oder eher für den Zuzug von Ruheständlern und Zweitwohnungsbesitzern, die das Dorf zur Kulisse verklären?
Die Orchester Millenium und Melodires, die Auftritte von Canelita und der Fackelzug – all das kostet Geld. Der Eintritt ist frei, die Paella degustación gratis. Wer trägt die Kosten? Die öffentliche Hand, also der Steuerzahler. Und das in einem Dorf, das auf die Subventionen der Mancomunidad angewiesen ist. Die Selbstlob-Phrasen der Verantwortlichen sind eine Bankrotterklärung an die politische Diskussion. Statt über die Zukunft der ländlichen Infrastruktur zu sprechen, wird die Feria zur Showbühne umfunktioniert.
Fazit: Ein Fest, das mehr Fragen aufwirft
Die Feria in Árchez ist zweifellos ein liebenswertes Ereignis für die Bewohner und Gäste. Die Mischung aus Tradition, Musik und Spielen ist sympathisch. Doch die Art, wie die Lokalpolitiker das Fest als Beleg für den Erfolg ihrer Arbeit präsentieren, ist mehr als fragwürdig. Sie verkaufen eine heile Welt, während die strukturellen Probleme des ländlichen Raums – Abwanderung, mangelnde Arbeitsplätze, Überalterung – gekonnt ausgeblendet werden. Das ist kein Paradies, das ist ein politisches Manöver. Wer nach Árchez fährt, sollte die Fiesta genießen – aber die Glanzlichter der Politik mit kritischem Blick betrachten.
Quelle: AxarquiaPlus, Bericht über die Feria 2026 in Árchez (9. Juli 2026)
Quelle: axarquiaplus.es