
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Der Zulo-Schock: Brutale Erpressung in Málaga
Ein Verbrechen, das an mittelalterliche Folter erinnert
Wer glaubt, dass Erpressung und Geiselnahme nur in Hollywood-Thrillern vorkommen, der sollte nach Málaga schauen. Dort hat die Justiz jetzt ein Urteil gesprochen, das seinesgleichen sucht: Drei Männer wurden zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilt, weil sie zwei Menschen in einem unterirdischen Verlies gefangen hielten – einem sogenannten Zulo, versteckt unter Gerüsten und Zementsäcken. Das ist keine übertriebene Dramatisierung, sondern die nüchterne Feststellung eines Gerichtsurteils.
Die perfide Masche der Täter
Im Januar 2023 lockten die Täter ihre Opfer zu einem Treffen an einer Tankstelle. Man kannte sich, stieg gemeinsam ins Auto – und fuhr in die Falle. In einem halb fertig gebauten Haus, das auf demselben Grundstück wie das Wohnhaus eines der Angeklagten liegt, schlug die Stunde der Wahrheit. Die Opfer wurden mit einem Messer bedroht und aufgefordert, 50.000 Euro zu zahlen. Die Drohung war unmissverständlich: "Wir stecken euch in ein Wasserfass, wenn ihr nicht zahlt."
Doch damit nicht genug. Die Täter entkleideten ihre Opfer ihrer Habseligkeiten und sperrten sie in ein Erdloch – einen alten Wassertank, der als Gefängnis zweckentfremdet wurde. Über den Eingang stapelten sie Gerüstteile und Zementsäcke. Das Urteil spricht von einer Konstruktion, die den Gefangenen "das Verlassen unmöglich machte". Man muss sich das einmal bildlich vorstellen: Zwei erwachsene Männer, eingepfercht in der Dunkelheit, ohne Aussicht auf Rettung. Wer hier von einem "Kavaliersdelikt" spricht, hat jeglichen Bezug zur Realität verloren.
Ein fataler Fehler der Täter
Doch die Täter machten einen entscheidenden Fehler: Vor dem Einsperren erlaubten sie einem der Opfer, seinen Schwager anzurufen und das Lösegeld zu fordern. Dieser zögerte nicht lange und informierte die Polizei. Die Beamten reagierten mit erstaunlicher Effizienz – zwei Beschuldigte wurden noch am Tatort festgenommen, die Opfer aus ihrem Erdloch befreit. Die Rettung kam buchstäblich in letzter Minute, denn die Männer hatten bereits Stunden in ihrem unterirdischen Gefängnis verbracht.
Ein Urteil, das Fragen aufwirft
Die Audiencia de Málaga verurteilte die drei Täter als Mittäter einer Entführung zu jeweils sechs Jahren Haft. Man mag argumentieren, dass dies eine angemessene Strafe sei. Doch wer die schiere Brutalität dieser Tat betrachtet – die Kombination aus Erniedrigung, Todesangst und körperlicher Gefangenschaft –, der muss sich fragen, ob sechs Jahre wirklich ausreichen. Es ist bezeichnend, dass die Angeklagten vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen wurden. Als ob das psychische Trauma, das sie ihren Opfern zugefügt haben, kein Teil der Rechnung wäre.
Die rechtliche Aufarbeitung mag abgeschlossen sein. Doch der Fall offenbart eine beunruhigende Wahrheit über die Rücksichtslosigkeit, mit der Kriminelle in Spanien agieren. Er zeigt, dass die Grenze zwischen organisierter Kriminalität und Alltagsgewalt fließend ist – und dass die Justiz manchmal Milde walten lässt, wo Härte angebracht wäre. Die Opfer tragen die Narben dieser Nacht für immer. Die Täter werden in sechs Jahren wieder frei sein. Das ist keine Gerechtigkeit, das ist ein Angebot an die nächsten Täter.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, basiert dieser Artikel auf dem schriftlichen Urteil der Audiencia de Málaga.
Quelle: europapress.es