
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Der unhaltbare Zustand der Kanaren
Madrid lässt die Inseln im Stich
Die Geduld der Kanarischen Inseln ist am Ende. Während die sozialistische Zentralregierung in Madrid die Migrationslage im Atlantik lange schönredete, eskaliert die Situation an der Außengrenze Europas längst zur Dauerbelastung. Nun fordert die konservative Partido Popular (PP) in einer klaren Ansage an Premierminister Pedro Sánchez ein radikales Umdenken. Die Inseln können und wollen die Bewältigung dieser humanitären und sicherheitspolitischen Herausforderung nicht länger allein schultern.
Die erschreckende Bilanz hinter den Statistiken
Die offiziellen Zahlen mögen auf den ersten Blick Entwarnung geben – ein Rückgang der Gesamtzahl der Ankünfte im Jahresvergleich. Doch wer genauer hinsieht, erkennt die Tücke des Augenblicks. Der PP-Abgeordnete Jacob Qadri bringt es auf den Punkt: Allein im September kamen rund 1.970 Menschen auf die Inseln – ein Anstieg von alarmierenden 173 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Wer angesichts dieser Dynamik von Entspannung spricht, verkennt die Realität oder will sie nicht sehen. Qadri warnt zu Recht: "Es gibt Gründe zur Sorge und zur Vorsorge."
Ein Déjà-vu, das Hoffnung macht
Die Konservativen verweisen auf ein historisches Vorbild, das zeigt, wie wirksame Migrationspolitik aussehen kann: die Operation "Noble Centinela" aus dem Jahr 2006. Unter der damaligen Regierung wurden Polizei, Guardia Civil, Streitkräfte und die europäische Grenzschutzagentur Frontex in einem konzertierten Einsatz zusammengeführt. Die Erfolgsbilanz dieser koordinierten Aktion ist beeindruckend: Mehr als 10.000 Menschenleben wurden gerettet, und der Migrationsdruck konnte um rund 60 Prozent gesenkt werden. Diese Zahlen sind der lebende Beweis: Eine aktive, gesteuerte Politik funktioniert – und ein bloßes Reagieren führt in die Sackgasse.
Mehr als nur Grenzschutz
Doch die PP fordert nicht nur eine militärische Aufstockung. Es geht um ein umfassendes Paket: mehr Personal und Technik für die Grenzüberwachung, eine intensivierte Zusammenarbeit mit den Herkunfts- und Transitländern in Afrika sowie effiziente Mechanismen für Aufnahme, Weiterverlegung und Rückführung. Qadri wird nicht müde zu betonen, dass der Kampf gegen die kriminellen Schleppernetzwerke, die mit der Not der Menschen schamlos Profit machen, eine verstärkte internationale Polizei- und Geheimdienstkooperation erfordert. Die Insellage der Kanaren mache die Lage besonders prekär – die Aufnahmekapazitäten sind begrenzt, die Versorgung an ihre Grenzen stoßend.
Ein Staat, der seiner Verantwortung entflieht
Die Kernbotschaft der Initiative, die Qadri im nächsten Plenum des Regionalparlaments vorstellen will, ist eine klare Kampfansage an die Passivität der Zentralregierung. Die Migrationskrise sei eine nationale und europäische Dimension, die nicht auf dem Rücken einer einzelnen Region ausgetragen werden dürfe. Madrid muss eine planmäßige, permanente und flexible Antwort liefern, die sich an den tatsächlichen Gegebenheiten orientiert. Flexibilität, um auf plötzliche Anstiege reagieren zu können, ohne die Systeme der Inseln kollabieren zu lassen.
Die Botschaft an Sánchez ist unmissverständlich: Die Zeit der Symbolpolitik ist vorbei. Es braucht Taten, Mittel und eine Strategie – bevor die humanitäre Krise endgültig zur staatlichen Zerreißprobe wird. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, wird die PP das Thema nun offiziell auf die politische Tagesordnung setzen. Es bleibt zu hoffen, dass sich Madrid dem nicht länger verschließt.
Quelle: europapress.es