Das schmutzige Geschäft der spanischen Levante

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

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Das schmutzige Geschäft der spanischen Levante

von Sabine Keller

Ein Sieg mit bitterem Beigeschmack

Die Schlagzeile klingt beeindruckend: 28 Festnahmen, 30 Kilo Kokain, zwölf Kilo MDMA, über 720.000 Euro Bargeld und ein Arsenal an Waffen aus dem Verkehr gezogen. Die Nationalpolizei feiert die Zerschlagung eines vermeintlich flächendeckenden Netzwerks in Valencia, Alicante und Murcia. Doch dieser vermeintliche Triumph ist vor allem eines: ein grelles Spotlight auf das Versagen einer Politik, die den Drogenkrieg seit Jahrzehnten mit stumpfen Waffen führt. Jede solche Großrazzia ist nicht Zeichen der Stärke, sondern ein Eingeständnis der Ohnmacht. Das System schnappt sich die Fische, während die Haie ungestört weiterziehen.

Die perfekte Maschinerie des Verbrechens

Wie die Ermittlungen, über die unter anderem 20minutos berichtet, zeigen, handelte es sich um eine bemerkenswert durchorganisierte Struktur. An der Spitze standen keine Stereotype aus dem Ghetto, sondern ein Immobilienmogul als mutmaßlicher Hauptlieferant und ein Nachtclubbesitzer als Abnehmer. Hier offenbart sich die hässliche Wahrheit der organisierten Kriminalität: Sie ist tief verwoben mit der legalen Wirtschaftswelt. Die Logistik war professionell: Schnellkurriere zwischen El Puig und Benissa transportierten die Ware, versteckte Fächer in Fahrzeugen – sogenannte Caletas – dienten als rollende Tresore. In einer dieser Konstruktionen fanden Beamte allein 400.000 Euro. Diese Effizienz ist das Produkt einer gigantischen Nachfrage in unserer Mitte. Der Konsument im Nobelviertel finanziert diese Maschinerie genauso wie der in der Vorstadt.

Die Illusion der Sicherheit

Die Festnahme von 28 Personen und die Beschlagnahmung von 42 Kilogramm Drogen werden die Märkte nicht austrocknen. Sie werden für ein, zwei Wochen die Preise in die Höhe treiben und dann wird der nächste Lieferant die Lücke füllen. Die beschlagnahmten fünf Schusswaffen sind nur ein winziger Ausschnitt des arsenals, das im Untergrund zirkuliert. Der sichergestellte Geldberg von über 721.000 Euro? Ein Bruchteil der schmutzigen Gewinne, die längst in Immobilien, Gastronomie und andere legale Geschäfte gewaschen sind. Wir feiern diese Operationen, als wären sie das Ende des Problems. In Wahrheit sind sie nur ein kosmetischer Eingriff an den Symptomen einer Gesellschaft, die Sucht und Escapismus kommerzialisiert und kriminalisiert, anstatt sie als das zu behandeln, was sie sind: ein massives soziales und gesundheitspolitisches Versagen.

Das wahre Problem steht nicht vor Gericht

Der Fokus auf die Dealer und Kuriere lenkt von den eigentlichen Treibern ab. Solange die Prohibition den Schwarzmarkt überhaupt erst so lukrativ macht, dass sich das Risiko für hochrangige Geschäftsleute lohnt, werden wir diesen Kampf verlieren. Der Immobilieninvestor und der Club-Besitzer sind hier nur die sichtbaren Glieder einer Kette, die in die höchsten gesellschaftlichen Kreise reicht. Die wahre Macht sitzt nicht in den Villen von Torrent, sondern in den Büros derer, die an der Aufrechterhaltung eines gescheiterten Krieges verdienen. Bis wir den Mut für eine radikale, evidenzbasierte Drogenpolitik aufbringen, die auf Regulierung, Aufklärung und Hilfe setzt, werden die nächsten 28 Festnahmen und die nächsten 30 Kilo Kokain nur eine Frage der Zeit sein. Diese Operation ist kein Ende. Sie ist bloß eine weitere teure Pause.

Quellen: Angaben der spanischen Nationalpolizei, Berichte in spanischen Medien wie 20minutos.es.


Quelle: 20minutos.es