Cardiomarathon: 1.200 Jugendliche lernen Wiederbelebung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Cádiz

Cardiomarathon: 1.200 Jugendliche lernen Wiederbelebung

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Wenn Sekunden über Leben entscheiden

Wer einen Herzstillstand erleidet, hat nur dann eine realistische Überlebenschance, wenn Umstehende sofort handeln. Doch genau hier liegt das Problem: Zu oft vergehen wertvolle Minuten, weil Zeugen unsicher sind oder schlichtweg nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Der jüngste Cardiomaratón in Cádiz zeigt jedoch, dass sich dieses Versagen der Gafferkultur entgegenstellen lässt – mit gezieltem Training für diejenigen, die im Ernstfall die ersten Helfer sein könnten.

Praxis statt Theorie: Ein Tag für die Herz-Lungen-Wiederbelebung

Am Europäischen Tag der Aufklärung über den Herzstillstand, dem 16. Oktober, verwandelte sich die Sporthalle Francisco Blanca in Cádiz in einen Ort des Lernens. Rund 1.200 junge Menschen nahmen an dem von der andalusischen Notrufzentrale 061 organisierten Cardiomaratón teil. Eine Stunde lang übten sie in Gruppen das, was im Notfall über Leben und Tod entscheidet: die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW). Die Botschaft dahinter ist simpel und doch von enormer Tragweite: Jeder kann helfen, man muss es nur einmal gelernt haben.

Die Kettenreaktion des Überlebens

Der plötzliche Herztod ist keine Randerscheinung. In Spanien gilt er als eine der häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle, und auch junge Menschen sind betroffen. Statistisch gesehen ereignen sich in Andalusien jährlich rund 19,5 Fälle pro 100.000 Einwohner – die meisten davon in den eigenen vier Wänden. Genau hier setzt die Strategie an: Die sogenannte Überlebenskette beginnt nicht im Krankenhaus, sondern beim Ersthelfer vor Ort. Wer erkennt, dass jemand nicht mehr reagiert und nicht atmet, muss sofort den Notruf 061 wählen. Die geschulten Telefonlotsen geben dann Anweisungen, wie die Wiederbelebung durchzuführen ist – bis der Rettungsdienst eintrifft.

Diese telefonische Anleitung ist kein theoretisches Konstrukt, sondern hat sich in der Praxis bewährt. Studien belegen, dass durch sofortige Laienreanimation die Überlebenswahrscheinlichkeit um mehr als 50 Prozent gesteigert werden kann. Wer also zögert, weil er Angst hat, etwas falsch zu machen, sollte sich eines vor Augen führen: Nichtstun ist die einzig garantierte falsche Reaktion. Die Technik selbst ist erlernbar: kräftiger Druck auf die Mitte des Brustkorbs, 100- bis 120-mal pro Minute, ohne Unterbrechung.

Ein Signal, das über den Tag hinauswirkt

Der Cardiomaratón endete mit einer Geste, die symbolisch für das gesamte Anliegen steht: Zwölf Menschen wurden ausgezeichnet, die im vergangenen Jahr als Ersthelfer eingriffen und so maßgeblich dazu beitrugen, fünf Leben zu retten. Diese Ehrungen sind mehr als nur ein Schulterklopfen. Sie sind der lebende Beweis dafür, dass das Trainingskonzept funktioniert. Kritiker mögen einwenden, dass ein einziger Aktionstag nicht reicht, um eine flächendeckende Notfallkompetenz in der Bevölkerung aufzubauen. Doch diese Argumentation verkennt den Kern: Solche Veranstaltungen sind der Türöffner, um das Bewusstsein für ein Thema zu schärfen, das viel zu lange als reine Aufgabe von Profis abgetan wurde. Die rund 1.200 jungen Menschen aus Cádiz sind nun keine hilflosen Zuschauer mehr – sie sind potenzielle Lebensretter. Und genau das ist der Standard, den wir überall erreichen müssen. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, war die Veranstaltung Teil einer landesweiten Initiative zur Verbesserung der Überlebensraten bei Herz-Kreislauf-Stillständen.


Quelle: europapress.es

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