
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Bürgermeister schildert Chaos vor Flutwelle
Warnung kam zu spät: Chronologie der Überflutung rekonstruiert
Im Untersuchungsverfahren zur Bewältigung der verheerenden Unwetterkatastrophe vom 29. Oktober 2024 hat der Bürgermeister von Picanya, Josep Almenar, als Zeuge vor der zuständigen Richterin in Catarroja ausgesagt. Seine Schilderungen zeichnen das Bild einer Behördenkette, die von der nahenden Katastrophe offenbar überrumpelt wurde.
Lokale Behörden handelten eigenmächtig
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Europa Press gab Almenar an, dass die lokalen Einsatzkräfte bereits deutlich vor der offiziellen Mobilfunkwarnung reagierten. Die Behörden in Picanya, einer Gemeinde im Südwesten von Valencia, hätten schon begonnen, die Bevölkerung dazu aufzurufen, die Tiefgaragen zu verlassen und keine Fahrzeuge mehr zu holen. Dieser Aufruf sei etwa um 19:30 Uhr ergangen, während der ES-Alert erst um 20:11 Uhr auf den Handys der Bürger einging.
Der Amtsinhaber, der seit über vier Jahrzehnten im Amt ist, präzisierte, dass ein Polizeibeamter ihn bereits am frühen Abend über den kritischen Zustand des Barranco informiert hatte. Gegen 18:00 bis 18:30 Uhr sei das Flussbett den Aussagen zufolge nahezu gefüllt gewesen und habe unmittelbar vor dem Überlaufen gestanden. Ein vorheriger Pegelstand am Nachmittag hatte noch keine akute Gefahr angezeigt.
Fehlende Vorwarnung durch übergeordnete Stellen
Besonders bemerkenswert ist Almenars Aussage, dass weder er selbst noch die Gemeindeverwaltung vor dem Eintreffen der Flutwelle irgendeine formelle Warnung erhalten hätten. Weder eine hydrologische Alarmsituation noch ein Hinweis der Regionalregierung seien eingegangen. Auch das Koordinierungszentrum für Notfälle habe an diesem Tag keinen Kontakt zur Gemeinde aufgenommen. Die Information über die drohende Gefahr sei ausschließlich aus der eigenen Beobachtung der örtlichen Beamten entstanden.
Rettungsaktionen und zerstörte Infrastruktur
Die Zeugenaussage beschreibt zudem die dramatischen Ereignisse nach dem Durchbruch der Wassermassen. Demnach gelang es den Helfern mit einem Kranfahrzeug, etwa 25 Personen aus einer Tageseinrichtung zu retten. Die Gemeindeverwaltung habe sich in ein städtisches Lagerhaus zurückgezogen, da das Rathaus selbst nicht mehr sicher gewesen sei. Von dort aus sei der kommunale Einsatzstab koordiniert worden.
Almenar schilderte weiterhin, dass er sich in den frühen Morgenstunden alleine zu Fuß auf den Weg zu seinem Haus gemacht habe, um nach seinen Kindern zu sehen. Der Weg sei barfuß und durch einen Meter hohen Schlamm führend gewesen. Erst am nächsten Morgen habe er das volle Ausmaß der Zerstörung gesehen: Drei Fußgängerbrücken und zwei Fahrzeugbrücken seien verschwunden, eine weitere stark beschädigt gewesen.
Normaler Tagesablauf bis zum Eintritt der Katastrophe
Nach Angaben des Bürgermeisters habe es keinerlei Anzeichen für das bevorstehende Unglück gegeben. Man habe sich in der Routine eines normalen Arbeitstages befunden und keine Notlage erwartet. Ein morgendliches Telefonat mit seiner Kollegin aus Catarroja habe sich lediglich um die Frage der Schließung von Schulen gedreht, die angesichts fehlender Anzeichen jedoch verworfen wurde.
Der Richterin übergab Almenar ein Dokument mit den Pegelständen des Barranco del Poyo vom Unglückstag. Zusätzlich ordnete die Ermittlerin an, weitere Unterlagen von der Gemeinde anzufordern, darunter die Einsatzprotokolle des Koordinierungsstabs, eingegangene Notrufmeldungen bei der Polizei und eine offizielle Chronologie der Ereignisse, die der Bürgermeister zwei Monate nach der Katastrophe in einer Ratssitzung präsentiert hatte. Die Ermittlungen zur Aufarbeitung der Flutkatastrophe dauern an.
Quelle: europapress.es