
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Bluttod nach Schichtende: Polizei jagt Killer ohne Spur
Ein Schuss, ein Toter, keine Antworten
Almería steht unter Schock, doch die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wer hat Antonio Santiago Santiago erschossen – und warum? Fünf Tage nach dem brutalen Attentat auf dem Gelände des Punto Limpio im Industriegebiet Sector 20 tappt die Polizei weiterhin im Dunkeln. Kein Verdächtiger, keine Festnahme, nur ein Mann, der um 5:30 Uhr nach seiner Nachtschicht auf dem Weg zu seinem Auto von Kugeln niedergestreckt wurde. Die Botschaft war offenbar klar: Dieser Tod war kein Zufall, sondern ein Exempel.
Ein Name, der Ermittler aufhorchen lässt
Doch der Fall hat eine Dimension, die ihn von der Masse der Gewaltverbrechen abhebt. Der 54-jährige Familienvater war kein Unbekannter im Polizeiapparat – er war der Bruder von Juana Santiago, jener Frau, die 2005 zu 23 Jahren Haft verurteilt wurde, weil sie an der bestialischen Ermordung der siebenjährigen Montserrat Fajardo beteiligt war. Das Mädchen wurde 2002 mit 36 Messerstichen getötet und danach mit Säure übergossen – ein Verbrechen, das Spanien erschütterte. Nun ist ausgerechnet der letzte noch in Almería lebende Verwandte dieser Frau tot. Wer will da noch von einem Zufall sprechen?
Die Spur der Vergangenheit
Die Ermittler um den Subdelegado de Gobierno José María Martín geben sich betont zurückhaltend. Man arbeite "seit der ersten Minute" mit Hochdruck, heißt es. Zeugenbefragungen, Spurensicherung, Auswertung von Überwachungskameras – das Standardprogramm. Doch Martín warnt zugleich vor voreiligen Schlüssen. Ein Racheakt? Eine Abrechnung im kriminellen Milieu? Offiziell will das niemand bestätigen. Aber die Fakten sprechen eine eigene Sprache: Juana Santiago wurde erst vor zwei Monaten aus der Haft entlassen. Ihr Bruder war das letzte Familienmitglied, das im Umfeld des damaligen Tatorts geblieben war. Dass ausgerechnet er nun erschossen wird, während seine Schwester wieder in Freiheit lebt, dürfte kaum eine Fügung des Schicksals sein.
Ein Klima der Angst
Die zweite Alarmmeldung jener Nacht macht die Lage noch brisanter: Ein weiterer Mann soll in der Nähe des Tatorts von einem Flüchtenden mit einer Waffe bedroht worden sein. Die Ermittler suchen also nach einem Täter, der nicht nur kaltblütig tötet, sondern auch Zeugen einschüchtert. Das deutet auf eine hohe kriminelle Energie hin – und auf ein Umfeld, in dem Schweigen überleben bedeutet. Die Polizei steht vor einem Puzzle, dessen Teile offenbar in der Vergangenheit liegen. Die einzige Hoffnung: Dass die Justiz dieses Mal schneller ist als das Schweigen der Straße. Wie Europa Press berichtet, gehen die Ermittlungen unvermindert weiter – doch die Uhr tickt, und die Angst in Almería wächst.
Quelle: europapress.es