
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Auto fliegt über Marbella-Kreisel
Wenn der Kreisel zur Skisprungschanze wird
Es gibt Momente, da offenbart sich der Straßenverkehr als das, was er im Kern ist: eine Rechenaufgabe mit hohem Risiko. Wer sie nicht löst, der fliegt. Wörtlich. In Marbella hat sich genau das am frühen Samstagmorgen ereignet – und die Bilder, die danach entstanden, sind eine einzige Anklage gegen den Leichtsinn am Steuer.
Gegen 7:35 Uhr wurde die Ruhe im Zentrum der Stadt jäh zerrissen. Ein einzelner Pkw raste durch die Kreuzung der Straßen Jacinto Benavente und Valentuñana, erwischte den dortigen Kreisverkehr nicht als Verkehrsinsel, sondern als Abschussrampe. Die Rede ist von einem spektakulären Überschlag: Der Wagen hob ab, entkernte eine Palme, riss eine Pflanzschale aus der Verankerung und kam erst an der Fassade eines Wohnblocks zum Stehen – auf dem Dach, wie ein erschöpfter Käfer.
Zwei Schwerverletzte, eine klare Botschaft
Die Bilanz: Zwei Insassen, 22 und 26 Jahre alt, wurden in das Krankenhaus Costa del Sol gebracht. Der Notruf kam nicht von ungefähr – es war das Auto selbst, das den Zusammenstoß automatisch meldete. Das ist Technik, die Leben rettet. Doch sie ersetzt nicht, was hier offenbar gefehlt hat: Urteilsvermögen.
Anwohner beschreiben, wie sie erst das Aufheulen des Motors hörten, dann zwei dumpfe Schläge. Einer von ihnen sagt, das Fahrzeug habe regelrecht „geflogen". Man mag das für Übertreibung halten – doch die Trümmer auf der Straße erzählen eine andere Geschichte. Ein Kreisel ist kein Trampolin. Wer ihn als solches nutzt, hat die Kontrolle nicht nur über das Pedal, sondern über sein gesamtes Leben verloren.
Tempo, Kontrolle, Realität
Man könnte nun einwenden: Das war ein Einzelfall, ein unglücklicher Zufall. Doch solche Unfälle sind keine Naturkatastrophen. Sie sind die logische Konsequenz einer Fahrweise, die Geschwindigkeit über Sicherheit stellt. In Spanien sterben jedes Jahr hunderte Menschen im Straßenverkehr – viele davon, weil aus einer Landstraße eine Rennstrecke wird und aus einem Kreisverkehr eine Flugbahn. Wie die Sur Málaga berichtet, sind die Beamten vor Ort, um die genaue Unfallursache zu rekonstruieren. Die Spurenlage dürfte eindeutig sein.
Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob Alkohol oder schlicht überhöhte Geschwindigkeit im Spiel waren. Fakt ist: Zwei junge Menschen liegen verletzt im Krankenhaus, eine Nachbarschaft wurde aus dem Schlaf gerissen, und eine Palme musste ihr Leben lassen. Die eigentliche Frage ist eine andere: Wann begreifen wir, dass ein Auto kein Spielzeug ist? Dass aus einer Sekunde Unachtsamkeit ein langes Leben voller Schmerzen werden kann – oder gar keins?
Die Antwort darauf bleibt jeder Fahrer sich selbst schuldig. Marbella hat heute nur eines gesehen: die hässliche Fratze der Raserei.
Quelle: diariosur.es