Artxanda-Tunnel: Marathon-Sanierung wird zur Geduldsprobe

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Bilbao

Artxanda-Tunnel: Marathon-Sanierung wird zur Geduldsprobe

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Verkehrsinfarkt mit Ansage

Während Autofahrer in Deutschland über marode Brücken klagen, schickt das Baskenland seine Pendler jetzt in den vorprogrammierten Ausnahmezustand. Wer ab dem 2. November die Verbindung zwischen Bilbao und dem Flughafen nutzen will, braucht nicht nur Geduld, sondern ein dickes Nervenkostüm. Die Vollsperrung des Streckenabschnitts La Salve-Txorierri kommt einem Eingeständnis der Behörden gleich: Jahrelang wurde geflickt, jetzt muss der Patient Tunnel unters Messer – und zwar gründlich.

Ein Sanierungsfall mit Schäden in Serie

Die Bilanz der Techniker ist vernichtend, auch wenn die Verantwortlichen um Infrastruktur-Deputierten Carlos Alzaga bemüht sind, sie schönzureden. Mehr als die Hälfte der untersuchten Fläche – konkret 54 Prozent – weist Schäden auf, die nicht ignoriert werden können. Risse, Materialverlust, unschöne Feuchtigkeitsprobleme: Der Tunnel, seit 2002 in Betrieb, hat sichtbar gelitten. Dass die Behörden nun eine Investition von über 20,6 Millionen Euro stemmen, ist richtig und überfällig. Doch die Frage, die sich jeder Pendler stellt, ist eine andere: Warum musste die Infrastruktur erst derart verwahrlosen, bevor gehandelt wird?

Lähmung statt Mobilität für die Wirtschaftsregion

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Täglich nutzen mehr als 13.500 Fahrzeuge den betroffenen Abschnitt; im gesamten Tunnelsystem sind es fast 30.000. Hinzu kommen über 400 Lkw pro Tag. Wer jetzt glaubt, dass der Schwerlastverkehr einfach auf Ausweichrouten verschwindet, der irrt gewaltig. Die Sanierung ist eine Bewährungsprobe für die gesamte Region. Schließlich geht es nicht nur um den Weg zur Arbeit, sondern um die Anbindung des Flughafens Bilbao und des Technologieparks von Bizkaia. Genau jene Infrastruktur, die das Baskenland als Wirtschaftsstandort vermarktet, wird für fünf Monate zum Nadelöhr. Ironisch, möchte man meinen.

Rund um die Uhr gegen den Stau

Die Guten der Geschichte sind zweifellos die Bauarbeiter, die in Drei-Schicht-Betrieb von morgens bis abends (und nachts) schuften werden, um die Sperrzeit so kurz wie möglich zu halten. Die Planung sieht vor, die Arbeiten ohne Verkehr im Tunnel durchzuführen – eine Sicherheitsmaßnahme, die bei dieser Baustelle alternativlos ist. Ob der Zeitplan von fünf Monaten hält, werden die nächsten Monate zeigen. Bauprojekte dieser Größenordnung haben schon andere Zeitpläne über den Haufen geworfen. Neben der Reparatur von Rissen und strukturellen Schäden müssen die massiven Wassereinbrüche gestoppt werden – eine Aufgabe, die in der Praxis häufig komplizierter ist als in der Theorie.

Das Chaos wird organisiert

Für die betroffenen Autofahrer bleibt nur Hoffnung auf ein funktionierendes Verkehrskonzept. Das zuständige Verkehrsministerium kündigt an, rechtzeitig vor dem Stichtag über Umleitungen und geänderte Buslinien zu informieren. Doch Pessimismus ist angebracht: Wer schon einmal eine Vollsperrung einer bedeutenden Verkehrsader erlebt hat, weiß, dass Umleitungspläne und Realität oft zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Die Leidtragenden sind wieder einmal die Pendler und Anwohner, die sich auf ein halbes Jahr Stau, Lärm und Geduldproben einstellen können. Ein Hoch auf die Planer dieser Region – die Sanierung ist überfällig, die Kommunikation darf als gescheitert betrachtet werden, wenn die Information erst kurz vor knapp kommt.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press am Dienstag aus Bilbao berichtete, sieht die Provinzverwaltung von Bizkaia die Maßnahme als notwendigen Schritt für den langfristigen Erhalt der wichtigen Infrastrukturverbindung.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Bilbao & Baskenland