
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Armut in Valencia erreicht alarmierendes Niveau
Ein gebrochenes Versprechen an die Zukunft
Zahlen, die man nicht schönreden kann: 30,7 Prozent der Bevölkerung in der Valencianischen Gemeinschaft leben in prekären Verhältnissen. Das sind fast 1,7 Millionen Menschen – und damit rund 100.000 mehr als noch im Vorjahr. Während sich andere Regionen langsam aus der Krise herausarbeiten, versinkt die Levante-Küste in einer sozialen Schieflage, die niemand mehr als Randnotiz abtun sollte. Die Region liegt mit dieser Quote fünf Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt und rangiert als fünftverwundbarste Autonomie Spaniens – ein Abstieg, der System hat.
Wie die Red Europea de Lucha contra la Pobreza (EAPN) in ihrem aktuellen Bericht feststellt, ist der Anstieg vor allem auf eine rückläufige Entwicklung bei den Einkommen zurückzuführen. Während das Durchschnittseinkommen in Spanien bei 15.620 Euro pro Kopf liegt, müssen sich die Bewohner der Valencianischen Gemeinschaft mit 14.017 Euro begnügen. Dieses Gefälle hat Folgen, die weit über die reine Statistik hinausgehen.
Die bittere Realität hinter den Durchschnittswerten
Besonders verheerend ist die Lage bei der sogenannten schweren Armut. Mit einer Quote von 11,8 Prozent belegt die Region hier den traurigen Spitzenplatz im gesamten Staatsgebiet. Betroffen sind Menschen, die mit weniger als 679 Euro pro Monat auskommen müssen – eine Summe, die in Zeiten explodierender Mietpreise und steigender Lebensmittelkosten schlichtweg nicht zum Leben reicht. Wer jetzt einwendet, dass es sich um Einzelfälle handele, liegt falsch: Ganze 93.000 Menschen sind innerhalb eines Jahres zusätzlich unter die Armutsschwelle von 12.220 Euro Jahres- bzw. 1.018 Euro Monatseinkommen gerutscht.
Die Zahlen offenbaren zudem eine erschreckende soziale Schieflage: Besonders Frauen (31,9 Prozent), Kinder (39,3 Prozent) und junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren (31,8 Prozent) sind von Armut betroffen. Wer eine Behinderung hat, ist mit einer Quote von 36,4 Prozent sogar überdurchschnittlich gefährdet. Die Gruppe mit dem höchsten Risiko sind jedoch Arbeitslose: 61,1 Prozent von ihnen leben am Rande des Existenzminimums.
Ein Schlag ins Gesicht aller Bemühungen
Die EAPN-Experten ziehen eine vernichtende Bilanz: Die Region entfernt sich immer weiter von den Zielen der Agenda 2030. Eigentlich hätte die Armutsquote bis zum Jahr 2025 auf 22,1 Prozent gesenkt werden müssen – ausgehend von 33,2 Prozent im Jahr 2015. Stattdessen verharrt sie bei 30,7 Prozent und verfehlt das selbstgesteckte Ziel krachend. Wer hier von Fortschritt spricht, verhöhnt die Betroffenen.
Die Lage ist umso paradoxer, als einige Indikatoren durchaus positive Entwicklungen zeigen. So ist die schwere materielle Entbehrung – etwa das Unvermögen, Rechnungen zu bezahlen, die Wohnung zu heizen oder sich eine Urlaubswoche zu leisten – leicht zurückgegangen. Doch dieser Scheinerfolg trügt: Er ist zum Teil auf methodische Unterschiede zurückzuführen. Würde man bei der Berechnung der Armutsquote den regionalen Einkommensdurchschnitt zugrunde legen, sähe die Statistik plötzlich freundlicher aus – ohne dass sich an der Lebensrealität der Menschen auch nur ein Cent ändert.
Ein Weckruf, der nicht überhört werden darf
Die Valencianische Gemeinschaft steht vor einem Scherbenhaufen, der nicht von heute auf morgen entstanden ist. Bereits 2008, lange vor der großen Wirtschaftskrise, lag die Armutsquote bei 23,6 Prozent – heute sind es 26 Prozent. Politiker aller Couleur müssen sich die Frage gefallen lassen, warum ausgerechnet eine der wirtschaftlich potentesten Regionen Spaniens ihre schwächsten Bürger so sträflich vernachlässigt.
Die Zahlen aus dem EAPN-Bericht sind mehr als bloße Statistik: Sie sind ein Alarmsignal. Die Landesregierung kann die Augen nicht länger vor der Realität verschließen, dass das Versprechen von Wohlstand und sozialer Teilhabe für fast 1,7 Millionen Menschen in dieser Region zur Farce geworden ist. Die Uhr tickt – und jede weitere Legislaturperiode des Nichthandelns verschärft eine Krise, die längst die Grenze des sozial Vertretbaren überschritten hat.
Quelle: europapress.es