Arbeitsumfeld entscheidet über Burnout-Risiko

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Katalonien

Arbeitsumfeld entscheidet über Burnout-Risiko

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Schlechte Organisation macht krank

Wer im Krankenhaus oder in der Pflege arbeitet, kennt das Gefühl: Die Schicht ist lang, die Anforderungen sind hoch, und am Ende bleibt das Gefühl, nichts richtig gemacht zu haben. Doch ob daraus ein echtes Burnout entsteht, hängt offenbar weniger mit der persönlichen Belastbarkeit zusammen als mit den Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Untersuchung des Observatorio Social der Fundación La Caixa, der Fundación Galatea und der Universitat Oberta de Catalunya (UOC).

Die Datenlage: 992 Fachkräfte, sechs Monate Beobachtung

Für die Studie wurden knapp 1.000 Ärztinnen und Pflegekräfte über ein halbes Jahr hinweg monatlich befragt. Am Ende zeigte sich ein klares Bild: Rund 24 Prozent der Teilnehmenden – 239 Personen – wiesen kaum Anzeichen von Erschöpfung auf. Diese Gruppe wurde anschließend in Diskussionsrunden und einer virtuellen Realitäts-Erfahrung genauer untersucht, um die Unterschiede zu den stärker belasteten Kolleginnen und Kollegen herauszuarbeiten.

Schlaf als Indikator

Die Unterschiede sind deutlich messbar. Wer nicht unter chronischem Stress leidet, schläft besser: Nur gut zehn Prozent der Unbelasteten kamen auf weniger als sechs Stunden Schlaf pro Nacht. In der Burnout-Gruppe waren es fast 28 Prozent. 84 Prozent der stabilen Fachkräfte schliefen zwischen sechs und acht Stunden und berichteten seltener über Erschöpfung beim Aufwachen oder Einschlafprobleme.

Auch körperlich geht es ihnen besser: Sie leiden seltener unter Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden und fühlen sich auch zur Schichtmitte und am Schichtende weniger ausgelaugt. Deutlich niedriger ist zudem der Anteil jener, die Angstzustände oder depressive Symptome angeben: 3,6 Prozent gegenüber 17,7 Prozent in der belasteten Gruppe. Auch Schlafmittel werden seltener benötigt, und die Ernährungsgewohnheiten sind insgesamt ausgewogener.

Der entscheidende Faktor: Wertschätzung

Den stärksten Einfluss auf das Wohlbefinden hatte jedoch das unmittelbare Arbeitsumfeld. Fachkräfte ohne anhaltendes Burnout gaben an, sich von der Organisation, von Vorgesetzten und vom Team fair behandelt zu fühlen. Sie erlebten zudem mehr Anerkennung – von Patienten, Kollegen und der Gesellschaft insgesamt.

Die Autoren der Studie ziehen daraus eine klare Konsequenz: Der Mythos von der individuellen Widerstandsfähigkeit, die man einfach trainieren müsse, wird durch die Daten widerlegt. Zwar spielen persönliche Stabilität und Optimismus eine Rolle, doch sie können keine strukturellen Defizite auffangen. Viel wichtiger sind demnach ein respektvoller Umgang, sichtbare Wertschätzung durch die Organisation und eine Führung, die nahbar, klar und einfühlsam agiert. Diese Faktoren erweisen sich als die stärksten Schutzfaktoren gegen emotionale Erschöpfung.

Junge Beschäftigte besonders gefährdet

Besondere Aufmerksamkeit richtet die Untersuchung auf den Nachwuchs: Jüngere Ärztinnen und Pflegekräfte sind deutlich häufiger von Burnout betroffen als ihre älteren Kolleginnen und Kollegen. Die Forschenden fordern daher, Prävention nicht erst im Berufsalltag zu beginnen, sondern bereits in der Ausbildung. Nötig seien gute Mentoring-Programme, regelmäßige Fallbesprechungen mit emotionaler Unterstützung sowie Arbeitsbedingungen, die sicheres Lernen, schrittweise Verantwortungsübernahme und eine echte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen.

Wie das Nachrichtenportal Europa Press berichtet, wurde die Studie am Mittwoch von den beteiligten Institutionen vorgestellt. Sie liefert damit einen weiteren Beleg dafür, dass Maßnahmen gegen den Personalmangel im Gesundheitswesen nicht bei den Einzelnen ansetzen sollten, sondern bei den Strukturen.


Quelle: europapress.es

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