
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Angeklagte überführten sich per Social Media
Selbstinszenierung als Beweislast
Im Prozess vor der ersten Strafkammer der Provinzgerichts von Palma hat am Donnerstag ein Ermittler der Guardia Civil seine Erkenntnisse zur Aufklärung einer Serie von Raubzügen geschildert. Die entscheidende Wende in den Ermittlungen brachten offenbar die Social-Media-Aktivitäten der Beschuldigten selbst. Auf öffentlich zugänglichen Profilen präsentierten sich die jungen Männer demnach in gestohlenen Fahrzeugen, in ihren Wohnungen oder beim Zählen von Bargeld auf einem Bett.
Start der Ermittlungen nach Serien von Überfällen
Die polizeilichen Untersuchungen begannen laut den Angaben des Beamten, nachdem innerhalb weniger Stunden an mehreren Orten der Insel insgesamt sieben bis acht Überfälle und Fahrzeugdiebstähle gemeldet worden waren. Der Ermittler führte aus, dass der Fokus der Ermittlungen schnell auf eine Gruppe von jungen Männern fiel, die bereits Monate zuvor wegen ähnlicher Delikte festgenommen worden war. Die Bestätigung des Tatverdachts ergab sich schließlich aus den Videoaufnahmen der Verdächtigen, die diese in ihren öffentlichen Social-Media-Profilen teilten. Die Aufnahmen zeigten die mutmaßlichen Täter mit den entwendeten Autos, teilweise mit gut lesbaren Kennzeichen, sowie eine Szene, in der Geldscheine auf einem Bett gezählt wurden.
Verzögerter Prozessauftakt
Der Verhandlungstag begann mit einer Verzögerung von fast zwei Stunden, nachdem sich einer der inhaftierten Angeklagten zunächst geweigert hatte, zum Gerichtstermin zu erscheinen. Erst durch das Einschreiten der Nationalpolizei, die den Mann vorführte, konnte die Verhandlung schließlich beginnen. Im Laufe des Vormittags wurden zahlreiche Geschädigte und Zeugen angehört, darunter Opfer von Kennzeichendiebstählen und Autodiebstählen sowie Eigentümer und Vertreter der überfallenen Geschäfte.
Anklage fordert hohe Haftstrafen
Die Staatsanwaltschaft wirft den sechs Angeklagten, die am Freitag ihre Aussagen machen sollen, eine Reihe von Straftaten vor. Die Anklage sieht mehrere fortgesetzte Fälle von Diebstahl mit Gewalt gegen Fahrzeuge und Geschäfte, Urkundenfälschung sowie Straftaten gegen die Verkehrssicherheit vor. Die geforderten Haftstrafen summieren sich auf bis zu 56 Jahre.
Serie von Straftaten im Frühjahr
Der Anklageschrift zufolge ereigneten sich die Taten zwischen Ende Januar und Mitte Februar dieses Jahres. Die Gruppe soll Geschäfte überfallen haben, wobei sie gestohlene Fahrzeuge nutzten, die teilweise mit wechselnden Kennzeichen versehen wurden. Die Vorgehensweise war demnach arbeitsteilig: Während einige Mitglieder die Fahrzeuge steuerten, drangen andere mit Brechstangen und Hebeln in die Geschäfte ein. In einigen Fällen sollen die Täter auch mit den Fahrzeugen gegen Schaufenster und Eingangstüren gerammt sein. Die insgesamt drei Autodiebstähle und acht Einbrüche in Geschäfte sowie weitere Diebstähle aus Fahrzeugen und der Diebstahl von Kennzeichen ereigneten sich in Valldemossa, Sóller, Campos, Deià, Santanyí und Portocolom. Die Staatsanwaltschaft weist zudem darauf hin, dass einzelne Angeklagte Aufnahmen von riskanten Fahrten mit den gestohlenen Autos erstellt und in sozialen Netzwerken geteilt haben sollen.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, fand die Anhörung am Donnerstag vor der ersten Sektion der Provinzgericht statt.
Quelle: europapress.es