Andalusien entscheidet über Spaniens politische Zukunft

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Andalusien

Andalusien entscheidet über Spaniens politische Zukunft

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein regionaler Urnengang mit nationaler Tragweite

Was in den vergangenen Monaten in den spanischen Autonomien geschah, war ein Vorgeschmack auf das, was nun in Andalusien auf dem Spiel steht. Die Regionalwahlen haben landesweit ihre Spuren hinterlassen: Die Territorialchefs der Volkspartei (PP) und der Sozialisten (PSOE) sind geschwächt aus den Wahlgängen hervorgegangen. Zwar regieren die konservativen Barone weiterhin in Extremadura, Aragonien und Kastilien-León, doch ihre Autorität mussten sie mit Koalitionen auf Kosten von Vox bezahlen. Die Kandidaten von Pedro Sánchez wiederum kassierten eine Niederlage nach der anderen – die Strategie, Minister in die Regionen zu schicken, ist sichtlich gescheitert.

Doch nun richtet sich der Blick geschlossen auf den Süden. Die bevölkerungsreichste Region Spaniens avanciert zum politischen Epizentrum – nicht erst jetzt, sondern eigentlich schon immer. In den acht andalusischen Provinzen entscheidet sich, ob Pedro Sánchez, Alberto Núñez-Feijóo und Santiago Abascal ihre politische Zukunft behalten dürfen. Wie die Zeitung Málaga Hoy berichtet, hat der Regierungschef in Madrid seine Ministerin María Jesús Montero in die Heimat zurückbeordert. Eine freiwillige Reise war das nicht. Sánchez ist bekannt für unkonventionelle Entscheidungen, doch diesmal spielt er mit dem Feuer: Das Abschneiden seiner Parteifreundin in Andalusien wird direkt auf ihn zurückfallen.

Die Rechnung des Sozialisten-Chefs

Im andalusischen PSOE ist man sich längst im Klaren darüber, dass Sánchez bereits die nächsten allgemeinen Wahlen im Blick hat. Die "Operation Montero" dient vor allem einem Zweck: die Partei auf seine eigene Kandidatur vorzubereiten. Doch Vorsicht: Sollte die Rechnung nicht aufgehen, reißt sie den Präsidenten mit in den Abgrund. Ein Bundesvorsitzender kann sich nicht von den Ergebnissen seiner Gliederungen distanzieren – das lehrt die Geschichte. Wenn Montero, wie Umfragen andeuten, den historischen Tiefststand für die Sozialisten markiert, wäre Sánchez schwer angeschlagen. Die internen Grabenkämpfe in der andalusischen PSOE, die seit dem Machtverlust im Dezember 2018 in Schockstarre verharrt, würden sich mit voller Wucht entladen.

Feijóos riskantes Kalkül

Anders gelagert ist die Lage bei Feijóo. Für den PP-Chef ist der amtierende Regionalpräsident Juanma Moreno einer der letzten starken Männer seiner Partei. Dessen Wahlkampf war ein Sololauf: bewusst distanzierte er sich von den prominentesten Gesichtern der Bundespartei. Bemerkenswert ist, dass selbst der Generalsekretär Miguel Tellado dem Süden fernblieb. Die Taktik ist durchsichtig: Gelingt Moreno die absolute Mehrheit, wird sich jeder im PP auf den Erfolg berufen. Scheitert er jedoch und ist eine Koalition mit Vox nötig, wäre der Beweis erbracht, dass die Volkspartei unter Feijóo nicht von der rechtspopulistischen Kraft loskommt – ein Umstand, der viele konservative Wähler abschreckt, nicht nur in Andalusien.

Vox und die fragile Linke

Doch auch bei Vox schrillen die Alarmglocken. Abascal selbst führte einen regelrechten Marathon-Wahlkampf im Süden, sein Gesicht prangt auf sämtlichen Plakaten. Sollte seine Partei am Ende nicht für die Regierungsbildung benötigt werden, wäre dies eine katastrophale Niederlage – selbst bei Stimmenzuwächsen. Die interne Kritik an seiner Führung hätte dann ein mächtiges Argument. Ausgerechnet in der Region, in der Vox 2018 mit zehn Prozent erstmals in ein Regionalparlament einzog, droht der Höhenflug zu enden.

Die Linke wiederum steht vor ihrer eigenen Bewährungsprobe. Der Spitzenkandidat Antonio Maíllo hat es geschafft, Podemos, Sumar und Izquierda Unida auf eine gemeinsame Liste zu bringen. Sein Kalkül: Zersplitterung kostet Mandate – eine Rechnung, die aufgehen kann. Doch der Preis ist hoch: Ein schwaches Ergebnis in Andalusien würde das brüchige Bündnis sofort wieder sprengen. Die Linke in Spanien steht damit vor einem paradoxen Moment: Nie war die Einheit größer, nie das Risiko des Scheiterns präsenter.


Quelle: malagahoy.es

Mehr aus Andalusien