Altar für verstorbene Mieterin in Madrid zerstört

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Altar für verstorbene Mieterin in Madrid zerstört

von Redaktion1 Min. Lesezeit

Gedenkstätte in Retiro abgeräumt

Nach dem Tod der 87-jährigen Maricarmen, die Ende September nach jahrelangem Rechtsstreit ihre Wohnung verlassen musste, haben Unbekannte nun den von Nachbarn errichteten Gedenkaltar vor ihrem ehemaligen Zuhause entfernt. Der Mieterverein Madrid kritisierte den Schritt scharf und kündigte an, sich gegen das Vergessen zu wehren.

„Wir, die wir Maricarmen in den letzten sieben Jahren begleitet haben, werden nicht zulassen, dass ihr Andenken auf diese Weise zerstört wird“, erklärte die Organisation auf ihren Social-Media-Kanälen. Man könne zwar ein Altarbild und Kerzen entfernen, aber nicht das auslöschen, was die Verstorbene hinterlassen habe, so die Verantwortlichen weiter.

Ein Schicksal, das bewegt

Der Fall der Rentnerin hatte weit über die Stadtgrenzen hinaus Aufsehen erregt. Maricarmen lebte seit 1956 in einer Mietwohnung mit Altvertrag in der Calle Alcalde Sainz de Baranda, die einst ihr Vater abgeschlossen hatte. Am 23. September wurde die Zwangsräumung im vierten Anlauf vollstreckt – ein Ereignis, das als Wendepunkt in der Debatte um Wohnraum in der spanischen Hauptstadt gilt.

Der öffentliche Druck war zuvor bereits so groß gewesen, dass sich vor dem Wohnhaus immer wieder Unterstützer versammelten, um gegen die Räumung zu protestieren. Ihre Räumung löste zudem Protestcamps auf der Puerta del Sol aus, bei denen Aktivisten auf die Notlage älterer Mieter und die Wohnungsnot insgesamt aufmerksam machten. Wie die Zeitung El País damals berichtete, beteiligten sich auch zahlreiche prominente Kulturschaffende an den Aktionen. Die Räumung der 87-Jährigen wird mittlerweile als Symbol für die prekäre Lage vieler Senioren in spanischen Großstädten gewertet, die trotz jahrzehntelanger Mietzahlungen von Verdrängung bedroht sind. Die nun erfolgte Entfernung der Gedenkstätte dürfte die Diskussion erneut anfachen und den Unmut der Wohnungsaktivisten weiter verstärken. Es bleibt abzuwarten, ob die Behörden zu den Vorfällen Stellung beziehen und ob die Nachbarschaft einen neuen Ort der Erinnerung schaffen wird.


Quelle: europapress.es

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