
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Alhambra-Glocke erklingt für Lorca
Ein Klangkörper für die Erinnerung
Die Stille über Granada währte nur kurz. Pünktlich um 12 Uhr durchbrach das Läuten der Glocke des Torre de la Vela die Mittagsruhe und hallte über die Dächer der Stadt. Drei Minuten lang erklang der traditionelle Ton, gefolgt von einer weiteren Sequenz mit drei Schlägen im Abstand von acht Sekunden. Damit wurde das historische Wahrzeichen der Alhambra zum Teil eines künstlerischen Großprojekts, das die Erinnerung an einen der bedeutendsten Literaten Spaniens wachhalten soll.
Die Initiative „Réquiem por Lorca“, ins Leben gerufen von der Fundación García Lorca, verwandelte am Sonntag zahlreiche Orte Granadas in Bühnen für Musik und Poesie. Wie die andalusische Regierung mitteilte, ging es darum, die Monumente nicht nur als Kulisse zu nutzen, sondern sie aktiv in die kollektive Ehrung des Dichters einzubeziehen. Der Klang der Glocke, die seit Jahrhunderten das Leben der Stadt rhythmisiert, wurde so zum symbolischen Bindeglied zwischen Geschichte und Gegenwart.
Ein Dialog zwischen Vergangenheit und Moderne
Neben der ikonischen Glocke dienten auch die Plaza de los Aljibes und die Silla del Moro als Schauplätze der Gedenkveranstaltung. Die Veranstalter betonten, dass das historische Erbe und die zeitgenössische Kunst auf diese Weise in einen Dialog über die Figur des in Fuente Vaqueros geborenen Poeten traten. Ein zentrales Element war dabei die Komposition „Campanas por el poeta“ von Enrique Morente, die den Flamenco-Sänger und Lorca erneut symbolisch verband – zwei Künstler, die die Wurzeln Granadas in eine universelle Sprache übersetzten.
Kultur als lebendiges Erbe
Die andalusische Kulturministerin Patricia del Pozo würdigte die Beteiligung des Patronats der Alhambra und des Generalife an dem Projekt. Sie hob hervor, dass der Monumentalkomplex nicht nur ein schützenswertes Erbe sei, sondern auch ein lebendiger Raum, der tief in der Kulturgeschichte der Stadt verwurzelt ist. Die Öffnung für derartige Veranstaltungen ermögliche es, dass das Kulturerbe weiterhin Menschen bewege und verbinde.
Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen sei entscheidend, um das Vermächtnis Lorcas zu verbreiten und die kulturelle Ausstrahlung Granadas zu stärken, so Del Pozo weiter. Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, dass der Dichter, der vor 90 Jahren ermordet wurde, längst nicht nur Teil der Geschichte ist, sondern bis heute das kulturelle Leben der Stadt prägt.
Quelle: europapress.es