
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
66 Messerstiche: Die letzten Sekunden von Can Pastilla
Ein Kampf, der zum Tode führte
Die Zahlen sind kaum zu ertragen: 66 Einstiche, verteilt über Kopf, Rumpf, Hals und Gliedmaßen. Doch die entscheidende Erkenntnis der Obduktion, die am Mittwoch vor der Audiencia Provincial präsentiert wurde, ist eine andere: María del Rosario starb nicht als passives Opfer. Sie kämpfte. Der Gerichtsmediziner beschrieb Abwehrverletzungen an den Armen und stellte fest, dass die Täterin – der Ex-Partner – mit einer „erheblichen und signifikanten“ Gewalt zugestochen haben muss. Die Wucht des Angriffs ließ der Frau keine Chance. Sie erlag ihren Verletzungen „in Sekundenschnelle oder wenigen Minuten“ – verursacht durch den massiven Blutverlust, nachdem fünf der Stiche die Halsvene und beide Lungenflügel durchtrennt hatten.
Die Reihenfolge des Grauens
Besonders makaber: Die forensische Rekonstruktion legt nahe, dass die ersten Verletzungen an der Vorderseite des Körpers entstanden, während sich das Opfer noch bewegte und versuchte, das Messer zu greifen. Erst als der Körper reglos war, folgten die Stiche in den Rücken. Diese Abfolge widerlegt jeden Versuch, das Geschehen als spontane Kurzschlussreaktion zu verharmlosen. Es war eine systematische Vernichtung – erst der Kampf, dann die Hinrichtung.
Ein Prozess mit Hindernissen
Die Verhandlung, in der dem Angeklagten 27 Jahre Haft drohen, musste am Mittwoch zweimal kurz unterbrochen werden. Ein Geschworener wurde ohnmächtig, als die Gerichtsmediziner die Bilder des Tatorts und des Leichnams zeigten – er wurde von seiner Pflicht entbunden. Es ist ein Indiz dafür, wie sehr diese Beweisaufnahme auch hart gesottene Prozessbeteiligte an ihre Grenzen bringt. Die Jury muss nun über einen Fall urteilen, der in seiner Brutalität selbst für spanische Verhältnisse außergewöhnlich ist.
Die Tat: Geplante Heimtücke
Die Anklage skizziert ein Szenario, das keinen Zweifel an der Planung lässt: Der Beschuldigte lockte die Mutter seines Kindes am 10. Dezember 2024 unter dem Vorwand, die gemeinsame Tochter vom Kindergarten abholen zu wollen, in sein Auto. Zuvor hatte er sie gebeten, ihren Notruf-Tracker (die „pulsera“) in der Wohnung zu lassen – ein Detail, das wie eine perfide Regieanweisung wirkt. Auf dem camino de Can Pastilla zog er das Messer und stach zu. Mit der Leiche im Wagen fuhr er weiter, bis er einen Unfall verursachte und festgenommen wurde.
Während die einen nun über die Psyche des Täters rätseln, sollte die Gesellschaft eine andere Lehre aus diesem Protokoll ziehen: Die Sicherheitssysteme – ob Notrufknopf oder Kontaktverbot – wirken nur solange, wie die Täter sie nicht als Herausforderung begreifen. María del Rosario bezahlte diesen Konstruktionsfehler mit ihrem Leben.
Quelle: europapress.es