45 Jahre für die Meere: Ein Kämpfer kommt nach Cádiz

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Cádiz

45 Jahre für die Meere: Ein Kämpfer kommt nach Cádiz

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Leben für das Meer: Wenn einer redet, hört man zu

Er hat mehr als 14.000 Tauchgänge hinter sich, war an über 50 Expeditionen beteiligt und dokumentiert seit Jahrzehnten die Schönheit – und die Zerstörung – unserer Meere. Wenn Manu San Félix Ende Oktober in Cádiz das Wort ergreift, dann spricht nicht irgendein Theoretiker vom grünen Tisch, sondern ein Praktiker, der den Klimawandel und die Überfischung mit eigenen Augen gesehen hat. Der Biologe und Fotograf kommt nicht, um zu predigen, sondern um zu zeigen, was auf dem Spiel steht – und wie wir es noch retten können.

Beim „Blue Zone Forum InnovAzul 2026“, das vom 28. bis 30. Oktober im Palacio de Congresos von Cádiz stattfindet, ist San Félix der Hauptredner des zweiten Tages. Er verkörpert eine Botschaft, die in Zeiten von Greenwashing und symbolischer Politik dringender denn je ist: Der Schutz des Ozeans ist kein Luxus für Wohlhabende, sondern eine Überlebensfrage. „Protección y recuperación del medio marino“ sei eine Investition in die Gesundheit, das Wohlbefinden und das Glück der Menschen, so der Kern seiner Botschaft. Ein Satz, der provoziert – denn er stellt die Prioritäten einer Wirtschaft infrage, die das Meer noch immer als endlose Ressource behandelt.

Die 45 Jahre harter Fakten: Posidonia als Lebensversicherung

San Félix, seit 2009 Teil des „Pristine Seas“-Projekts von National Geographic, wird in Cádiz nicht nur mit atemberaubenden Bildern glänzen, sondern mit einer klaren Agenda. Sein Fokus liegt auf der Wiederherstellung von Ökosystemen – insbesondere der Posidonia-Wiesen im Mittelmeer. Diese Seegraswiesen, die über die Asociación Vellmarí unter seiner Leitung renaturiert werden, sind weit mehr als bloße Unterwasserpflanzen. Sie dienen als Kinderstube für Fische, binden CO₂ effizienter als Regenwälder und schützen die Küsten vor Erosion.

Wer jetzt noch glaubt, man könne die Meere weiterhin als Müllkippe und Fischfanggebiet zweiter Klasse behandeln, dem sei gesagt: Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Der Zustand der Meere ist kein Randthema für Umweltaktivisten, sondern ein zentraler Wirtschaftsfaktor für Regionen wie Andalusien. Dabei will San Félix jedoch nicht in Untergangsstimmung verfallen. Seine Botschaft ist realistisch, aber hoffnungsvoll: Die Ozeane haben eine enorme Regenerationsfähigkeit – wenn man sie lässt.

Das Forum in Cádiz, das unter dem Motto „Proyectando en azul“ steht, ist der Versuch, Wissenschaft und Wirtschaft an einen Tisch zu bringen. Es gehe darum, die Chancen der „blauen Wirtschaft“ zu nutzen, also neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die nicht auf Ausbeutung, sondern auf Nachhaltigkeit setzen. Organisiert wird das Treffen von der Zona Franca de Cádiz und der Universität Cádiz.

Doch man muss sich die Frage gefallen lassen: Ist das nicht wieder nur ein weiteres Podium, auf dem eloquente Referenten wohlklingende Reden schwingen, während die Fischerei weiter ihre Netze auswirft und die Verschmutzung ungebremst andauert? Der Unterschied zu vielen anderen Kongressen: San Félix liefert Belege. Er zeigt, wie Schutzgebiete funktionieren und wie sich Bestände erholen, wenn man ihnen eine Chance gibt. Er argumentiert mit dem, was er gesehen hat – und das macht ihn glaubwürdiger als so manchen Verbandsfunktionär.

Ein Zeichen gegen die Krise: Cádiz positioniert sich

Neben San Félix wird auch die Astronautin Sara García Alonso sprechen – ein kluger Schachzug der Veranstalter. Sie steht für die Erforschung des Weltraums, er für die Erforschung der Tiefsee. Beide Disziplinen, so die Botschaft, seien entscheidend für die Zukunft der Menschheit. Der grenzenlose Raum dort oben und die unendlichen Weiten dort unten – in Cádiz treffen sie aufeinander.

Es passt ins Bild, dass die XXIX. Konferenz der Zonen Freien Handels Iberoamerikas zeitgleich in Cádiz tagt. Die Stadt am Atlantik will sich als Drehscheibe für Innovation und Nachhaltigkeit positionieren – ein ambitioniertes Ziel, das man ernst nehmen kann, denn die Projektförderung durch EU-Mittel (Feder) ist konkret. Zwei Drittel des Programms „ZF Blue Core“ werden aus Brüssel finanziert. Das ist kein Papiertiger, sondern echtes Geld für echte Projekte.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Kampf um die Meere ist nicht verloren. Aber er wird nicht in Konferenzsälen gewonnen, sondern vor der Küste, in den Schutzgebieten und in den Köpfen der Menschen. Manu San Félix hat das verstanden. Jetzt muss Cádiz darauf folgen.

Wie Europa Press berichtet, ist die Anmeldung zum Forum über die Website „proyectandoenazul.es“ möglich.


Quelle: europapress.es

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