34-Jähriger stirbt unter Betonmischer

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

riogordo

34-Jähriger stirbt unter Betonmischer

von Sabine Keller

Tod auf der Baustelle: Wenn Arbeit zum Todesurteil wird

Wieder einmal hat die Bauindustrie einen Toten zu beklagen. Ein 34-jähriger Arbeiter starb am Dienstag in Riogordo, als ein Betonmischer ihn unter sich begrub. Die Meldung des Notrufs 112 Andalucía liest sich wie ein trauriges Ritual: Ein Unfall, ein Toter, ein routinierter Rettungseinsatz. Krankenwagen, Feuerwehr, Guardia Civil, ein Rettungshubschrauber – die ganze Maschinerie der Notfallversorgung rückte aus. Ein Team des Centro de Emergencias Sanitarias 061 war vor Ort. Doch sie kamen zu spät. Dem Kollegen half auch kein medizinisches Großaufgebot mehr.

Laut dem Bericht auf AxarquiaPlus ereignete sich das Unglück auf einer Baustelle nahe der Landstraße MA-3107. Die Arbeiten liefen, vermutlich unter Zeitdruck, vermutlich mit den üblichen Sicherheitslücken. Ein 34-Jähriger, mitten im Leben, wird von einem tonnenschweren Fahrzeug erdrückt. Ein Kam Kran brauchte es, um die Leiche zu bergen – ein Bild wie ein Menetekel für eine Branche, in der der Mensch oft nur noch als Störfaktor in der Kalkulation vorkommt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Arbeitsinspektion und das Centro de Prevención de Riesgos Laborales schalten sich ein. Die üblichen Fragen werden gestellt: War die Baustelle richtig gesichert? Wurden die Sicherheitsvorschriften eingehalten? Wer trägt die Verantwortung? Solche Fragen sind berechtigt, doch sie verhallen meist im bürokratischen Murmeltierkreislauf. Es wird Berichte geben, vielleicht ein Verfahren, und die nächste Baustelle öffnet, als wäre nichts gewesen. Der Tod des Mannes ist kein Einzelfall, er reiht sich ein in eine traurige Bilanz.

Arbeitgeberverbände werden jetzt von „tragischen Einzelfällen“ sprechen. Die Gewerkschaften werden mehr Kontrollen fordern. Die Politik wird sich in Sonntagsreden üben. Derweil bleibt eine Familie ohne Vater, Partner, Sohn zurück. 34 Jahre sind kein Alter zum Sterben. Besonders nicht auf einer Baustelle, die eigentlich nur weiteres Betongrau in die Landschaft spucken sollte.

Die Rettungskräfte haben alles getan, was in ihrer Macht stand. Sie haben den Toten geborgen. Den Lebenden bleibt die Wut. Die Wut auf ein System, das Sicherheit oft nur als Kostenfaktor betrachtet. Der Unfall von Riogordo ist ein weiterer Schlag ins Gesicht aller, die glauben, dass Arbeit nicht töten darf.


Quelle: axarquiaplus.es