Teuer Wohnen an der Küste
Wer in Marbella langfristig eine Wohnung mieten möchte, muss tief in die Tasche greifen. Bis zu 1.800 Euro kostet hier eine Dreizimmerwohnung. Das Problem: Familien mit normalen Einkommen können sich das kaum noch leisten. Mehrere Faktoren tragen zu dieser Entwicklung bei. Vermieter scheuen sich oft vor langfristigen Mietverhältnissen oder bevorzugen die lukrativere Option der Ferienvermietung.
Für ein Studio werden zwischen 850 und 1.000 Euro verlangt, Zweizimmerwohnungen kosten rund 1.400 Euro, und für drei Zimmer muss man mindestens 1.600 Euro hinblättern. Günstiger ist es lediglich etwas abseits vom Meer, zum Beispiel nördlich von Elviria, in San Pedro oder La Reserva de Marbella.
Angst der Vermieter und wenig Angebot
Laut Ballesteros gibt es zwei unterschiedliche Strategien bei den Vermietern. Die einen verlangen, was sie kriegen können, die anderen bevorzugen solvente Mieter, die keine Probleme machen. Viele Vermieter entscheiden sich ganz gegen eine langfristige Vermietung und setzen stattdessen auf Kurzzeitmieten für Urlauber. „Es gibt einen großen Mangel an Mietwohnungen und wenig Verfügbarkeit“, erklärt Ballesteros. Die Nachfrage sei enorm, von Arbeitnehmern, die umziehen müssen, bis hin zu jungen Leuten, die ihre erste Wohnung suchen.
Als Beispiel berichtet er von fast 300 Anfragen für die letzten zwei Mietobjekte, die er vermittelt hat. Ihm wurde sogar die Anfrage gestellt, ein Studio für vier Personen zu mieten. Ballesteros findet, dass die Gehälter und die Mietpreise für normale Menschen nicht mehr in einem Verhältnis stehen. Ein Grund für die hohen Preise seien die vielen leerstehenden Wohnungen, da Vermieter Angst vor Problemen mit Mietern haben. Auch die Tatsache, dass Marbella für Arbeitnehmer unattraktiver wird, weil die Preise so stark gestiegen sind, trägt zur Situation bei. Laut Ballesteros sind die Mietpreise in Marbella seit der Pandemie um 60 bis 70 Prozent gestiegen. Viele Menschen aus Großstädten, die im Homeoffice arbeiten, zieht es hierher. Sie seien es gewohnt, hohe Preise für schlechte Immobilien zu zahlen.
Steigende Preise ohne Ende?
Auch die Immobilienagentur Embassy Costa del Sol bestätigt den Preisanstieg. In Vierteln wie Divina Pastora oder Miraflores kostet eine Dreizimmerwohnung für die Mittelschicht mittlerweile 1.100 bis 1.200 Euro. Im Zentrum muss man für eine Zweizimmerwohnung mit 1.500 bis 1.600 Euro rechnen. Auf der Goldenen Meile schnellen die Preise sogar auf 1.800 bis 2.000 Euro hoch. Laut Estela Santos ist der Mietpreis in den letzten zwei Jahren „unverhältnismäßig gestiegen“. Es gäbe kaum noch Mietobjekte auf dem Markt. Vermieter suchen sich lieber solvente Mieter mit festem Arbeitsplatz und gutem Einkommen aus.
Mietrecht als Problem
Santos erklärt, dass die Vermieter Angst vor langfristigen Mietverträgen haben, da diese in Spanien in der Regel eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Dadurch sei es schwieriger, die Wohnung für einen Verkauf oder zur Eigennutzung zurückzubekommen. Deswegen ziehen viele die Ferienvermietung vor. Vor allem junge Paare und Familien, die aus dem Ausland kommen, suchen Mietwohnungen, haben aber oft nur befristete Arbeitsverträge. Vermieter verlangen oft eine Mindestbeschäftigungsdauer von zwei Jahren und ein Einkommen, das mindestens das Doppelte der Miete beträgt. Santos fordert eine Politik, die Vermieter besser schützt und nicht nur Mieter.
Manuel Álvarez von Inmobiliaria Marbella, S.A., gibt an, dass eine durchschnittliche Wohnung in Marbella zwischen 800 und 1.100 Euro für ein 50 Quadratmeter großes Apartment mit einem Schlafzimmer kostet. Für zwei Zimmer und 70 bis 80 Quadratmeter zahlt man zwischen 1.200 und 1.600 Euro, und für drei Zimmer und 90 bis 110 Quadratmeter werden 1.350 bis 1.800 Euro fällig. Die Preise sind laut Álvarez „deutlich gestiegen“, was er auf den „Mangel an gebauten Wohnungen in den letzten 20 Jahren“ zurückführt. Besonders im Sommer und im Bereich der touristischen Vermietung sei die Situation extrem. Auch er bestätigt, dass vor allem junge Paare ohne Kinder, Familien, die sich kein Haus leisten konnten, und Zuwanderer auf der Suche nach einer Wohnung sind. Es gebe eine außergewöhnlich hohe Nachfrage bei geringem Angebot.
Versäumnisse der Politik
Laut Álvarez wurden in Marbella seit Jahren keine Wohngebäude mehr gebaut, unter anderem wegen der fehlenden Aktualisierung des Flächennutzungsplans. Hinzu kommen „enorme administrative Hürden“. Álvarez kritisiert, dass die Behörden es versäumt haben, den Bau von Wohnungen zu fördern, beispielsweise durch die Bereitstellung von Grundstücken für den öffentlichen und privaten Wohnungsbau oder durch fehlende Steueranreize. Auch die Arbeit der Behörden kritisiert er, da diese keine einfachen Lösungen für Baugenehmigungen suchen würden.
Juan José García, Sprecher der Plattform ‚Marbella para vivir‘, betont die Schwierigkeit für Familien, in der Stadt eine Wohnung zu finden. Eine Zweizimmerwohnung für weniger als 1.000 Euro zu finden, sei „praktisch unmöglich“. Er berichtet, dass Kollegen zwischen 900 und 1.000 Euro Miete zahlen – von Juni bis September – und befürchten, dass die Preise im nächsten Jahr noch weiter steigen werden. García sieht einen Grund für die hohen Mietpreise im Boom der Ferienvermietung, mit der sich mehr Geld verdienen lässt. Er kritisiert, dass in Wohnraum investiert wird, um zu spekulieren: Einige besitzen drei Wohnungen, andere keine.
Um die hohen Mieten bezahlen zu können, arbeiten viele zusätzlich. Andere ziehen in umliegende Gemeinden oder sogar weg. García wirft der Stadt vor, auf Luxus und Spekulation ausgerichtet zu sein. Er fordert eine staatliche Regelung für Mietpreise in angespannten Gebieten, dass die Stadt sozialen Wohnungsbau fördert, die Anzahl der Touristenwohnungen begrenzt und sich nicht nur auf den Bau von Luxuswohnungen konzentriert.