Im Campo de Gibraltar klaffen die finanziellen Realitäten weit auseinander. Das zeigt der jüngste Atlas zur Einkommensverteilung der Haushalte, herausgegeben vom Instituto Nacional de Estadística (INE). Die Daten von 2023, verglichen mit 2020, offenbaren deutliche Gegensätze in der Region: Hier florierende Industrie und noble Wohngegenden, dort wirtschaftlich angespannte Gebiete.
Es ist ein klares Bild: San Roque und Los Barrios sind die wirtschaftlichen Zugpferde. Angekurbelt durch Industrie und Luxusimmobilien. Am anderen Ende der Skala: das ländliche Jimena de la Frontera und San Martín del Tesorillo. Zwischen diesen Polen tut sich eine Kluft von über 11.000 Euro pro Haushalt auf.
San Roque und Los Barrios: Kraftpakete
San Roque bleibt Spitzenreiter in Sachen Einkommen. Es geht nicht nur um die Höhe, sondern auch um die Qualität der Einkünfte. 2023 lag das durchschnittliche Haushaltseinkommen in San Roque bei 38.428 Euro – der höchste Wert der Region.
Pro Kopf gerechnet sind das 13.663 Euro, ein deutliches Plus von 3.000 Euro seit 2020. Das erklärt sich durch die Doppelstruktur des Ortes: Einerseits große, stabile und qualifizierte Arbeitsplätze schaffende Industrien. Andererseits der Einfluss von Sotogrande, der den Durchschnittswert deutlich nach oben treibt.
Dicht gefolgt von Los Barrios, dem zweiten starken Motor. Hier sind es 37.473 Euro pro Haushalt und 13.138 Euro pro Kopf. Beachtenswert: In Los Barrios stammen über 68 % des Einkommens aus Löhnen. Ein Zeichen für einen florierenden Arbeitsmarkt.
La Línea holt auf
Erfreulich ist die Entwicklung in La Línea de la Concepción. Die Stadt, die lange mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hatte, zeigt Anzeichen einer spürbaren Erholung. Zwar immer noch im unteren Bereich der Tabelle, aber mit einem Zuwachs von 2.366 Euro pro Kopf seit 2020 der drittstärkste Aufsteiger. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt jetzt bei 11.553 Euro.
Noch wichtiger ist der Wandel bei den Einkommensquellen: Arbeitslosenleistungen haben sich halbiert (von 5,5 % auf 2,6 %), während der Anteil der Löhne auf 61,8 % gestiegen ist. La Línea ist zwar noch weit von der Spitze entfernt, aber die INE-Analyse zeigt, dass die Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung zugunsten bezahlter Arbeit sinkt.
Algeciras und Tarifa: Mittelfeld
Im Mittelfeld finden sich Tarifa und Algeciras. Tarifa profitiert vom Tourismus und dem Dienstleistungssektor und erreicht ein Pro-Kopf-Einkommen von 13.049 Euro – dicht hinter Los Barrios.
Algeciras, die administrative und bevölkerungsreichste Stadt, kommt auf 12.564 Euro pro Kopf. Beide Orte spiegeln den allgemeinen Erholungstrend nach der Pandemie wider: stetiges Wachstum und ein höheres Gewicht der Löhne im Vergleich zu staatlichen Hilfen.
Ländliche Armut: Jimena und Tesorillo
Die Kehrseite der Medaille zeigt sich im Hinterland. San Martín del Tesorillo bildet mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 9.660 Euro (als einziger Ort unter 10.000 Euro) und 27.549 Euro pro Haushalt das Schlusslicht.
Zusammen mit Jimena de la Frontera (10.857 Euro/Kopf) spiegeln diese Gemeinden eine andere Wirtschaftsstruktur wider. Stark geprägt von der Landwirtschaft, mit niedrigeren Löhnen und, im Fall von Jimena, einem hohen Anteil an Renten (fast 22 % der Einnahmen), was auf eine fortschreitende Überalterung der Bevölkerung hindeutet.
Der Atlas zur Einkommensverteilung der Haushalte des INE liefert diese Erkenntnisse.
