Benalmádena, Spanien – Was sich dieser Tage in Benalmádena abspielt, mutet wie ein schlechter Scherz an, ist aber bittere Realität für über 200 Urlauber: Das Hotel Vivemar, ehemals Vistamar, wurde von der Stadtverwaltung kurzerhand geschlossen. Mitten im Betrieb, wohlgemerkt. Der Vorwurf: Das Hotel ist nicht im Register der Tourismusunterkünfte der andalusischen Regierung eingetragen. Klingt nach einem bürokratischen Akt, hat aber verheerende Folgen.
Touristen als Schachfiguren
Stellen Sie sich vor, Sie sind im Urlaub, freuen sich auf Sonne, Strand und Meer, und plötzlich steht die Polizei vor der Tür und verkündet die Schließung des Hotels. So geschehen im Vivemar. Die Begründung des zuständigen Stadtrats Raúl Campos: ohne Eintragung im Register keine Betriebserlaubnis. Punkt.
Doch die Geschichte hat mehrere Ebenen. Der Hotelmanager Alberto Tusquellas argumentiert, dass die Registrierung aufgrund eines „administrativen Problems“ des vorherigen Betreibers widerrufen wurde. Die neue Betreibergesellschaft Vive Resort Management S.L. habe aber alle notwendigen Dokumente zur erneuten Eintragung eingereicht. Ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Behörden und Hotelbetreibern, bei dem die Touristen die Leidtragenden sind.
Chaos vor Ort
Die Bilder, die der Hotelmanager schildert, sind kafkaesk: Die Polizei habe den Haupteingang und den Notausgang mit Stahlseilen versperrt. Gäste müssten nun über die Parkgarage aus dem Hotel gelangen. Ein Albtraum für alle Beteiligten. Und das bei einer Auslastung von 98 Prozent, inklusive einer Gruppe von 175 Jugendlichen für ein Turnier, einer Reisegruppe des spanischen Seniorenprogramms IMSERSO und zwei Gruppen polnischer Touristen.
Gerichtliche Auseinandersetzung
Doch damit nicht genug. Die Eigentümerin des Hotels, María José García, wirft dem aktuellen Betreiber vor, einen gefälschten Untermietvertrag vorgelegt zu haben. Sie kämpft seit Jahren vor Gericht gegen die Geschäftspraktiken der verschiedenen Betreiber. „Jede Vermietung muss dem Eigentümer mitgeteilt werden, und das ist mir nie mitgeteilt worden“, klagt sie. Eine juristische Auseinandersetzung, die sich offenbar auf dem Rücken der Urlauber austrägt.
Wer trägt die Verantwortung?
Die Frage, die sich stellt: Wer trägt die Verantwortung für dieses Chaos? Sicherlich nicht die Urlauber, die gutgläubig ihren Urlaub gebucht haben. Die Stadtverwaltung beruft sich auf formale Vorschriften, der Hotelmanager verweist auf administrative Probleme, die Eigentümerin auf gefälschte Verträge. Doch am Ende bleiben die Urlauber auf der Strecke, ihrem Urlaub beraubt und mit dem Gefühl, Opfer eines undurchsichtigen Machtspiels geworden zu sein.
Dieser Fall in Benalmádena ist ein Warnsignal. Er zeigt, wie schnell ein Urlaubstraum zum Albtraum werden kann, wenn Behörden, Betreiber und Eigentümer ihre Konflikte nicht in geordneten Bahnen austragen. Und er wirft ein Schlaglicht auf die Schattenseiten des Tourismus, wo Profitinteressen offenbar Vorrang vor dem Wohl der Gäste haben.